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Biomechanik des Hundes Teil 1

 

 

 

Der Hund ist in den letzten Jahren zu einem ständigen Begleiter des Menschen geworden. Man beschäftigt sich in der Freizeit mit dem Hund und ist auch sonst sehr aktiv mit ihm. Was sich ebenfalls darin manifestiert, dass Hunde vermehrt orthopädische Probleme aufweisen und dadurch beim Orthopäden vorstellig werden. Dieser Umstand wird wiederum damit bestätigt, dass die Kreuzbandoperation beim Hund heute „das tägliche Brot“ des Chirurgen darstellt. Auffallend ist die Häufung von Hunden mit orthopädischen Problemen, die trotzt allen diagnostischen Hilfsmitteln (CT und/oder MRT) ohne Diagnose bleiben. Ursache liegt häufig in der Biomechanik des Hundes! Durch die verstärkte Aktivität einerseits und die neuen Einflüsse von Spielmöglichkeiten andererseits, werden zum Teil die Grenzen der Biomechanik des Hundes überbeansprucht oder überfordert. Ein anderer Grund ist aber auch im Umstand zu sehen, dass der Welpe oder Junghund gerade in der Wachstumsphase mit unphysiologischen (ungesunden) Bewegungen die Grenzen der Belastbarkeit von Gelenken, Bändern und Sehnen überfordert. Gerade junge Hunde verletzen sich sehr oft durch wildes Spielen, Tollen, schnellen und engen Wendungen sowie Zick-Zack- Bewegungen.

 

Die landläufige Meinung, dass Welpen nicht allzu lange laufen dürfen, ist noch immer ganz und gar präsent in den Köpfen der Hundebesitzer! Durch gezieltes Laufen des wachsenden Welpen wird der Hund intellektuell gefordert, erhält eine optimale Prägung auf verschiedene Untergrundbeschaffenheit und kann sich dadurch optimal muskulär aufbauen. Das Vorurteil der „kurzen Spaziergänge“ ist ebenfalls im Zusammenhang mit der Entwicklung der Hüftdysplasie zu sehen. Noch immer wird festgehalten, dass ein enger genetischer Zusammenhang zwischen Muskelmasse und Vorkommen von Hüftdysplasie bestehe. Somit ist der Umstand erklärt, dass Windhunde, die eine grosse Muskelmasse besitzen, praktisch keine HD aufweisen. Dies mag richtig sein, aber missachtet das Faktum, Muskeln können nur durch eine regelmässige Bewegung und vor allem durch „gesunde“ und kontrollierte Bewegungen aufgebaut werden. Als gesunde Bewegung bezeichne ich die Gangarten Schritt, Trab und Galopp ohne schnelle Wendungen und „Stopp and goes“! Optimal für den Muskelaufbau ist ein leichter Trab am Hügel, auch für junge Hunde. Es ist immer eine Frage des Masses! Das Fazit nach sieben Jahren „Therapie über den Welpenpass“ ist offenkundig, dass der Muskelaufbau nicht nur über eine genetische Komponente codiert ist, sondern mit der Biomechanik des Skelettsystems des Welpen im Zusammenhang gesetzt werde muss. Wird die Biomechanik des Welpen (Schulter- und Beckengürtel) über den Zeitraum (12. bis 28. Woche) des Wachstums kontrolliert und nötigenfalls manuell therapiert, ist die Effizienz des Muskelaufbaus eindeutig besser. Erstaunlich ist die Tatsache, dass auch Welpen/ Junghunde, die erst mit sechs Monaten in die Erstuntersuchung kommen, schon klar Asymmetrien im Skelettsystem mit Muskelatrophien (weniger Muskulatur) manifest sind, sehr schnell ein kompensatorisches Wachstum an den Tag legen können, und das „verpasste“ schnell aufgeholt haben. Siehe dazu unter www.orthovet.ch / Welpenpass! Man kann also deutlich festhalten, dass zu einer bestmöglichen und gesunden Entwicklung der Hüfte, eine optimale Biomechanik der Wirbelsäule und Gliedmassen notwendig ist! Dies wird durch den Welpen- und Junghuhdpass erfolgreich erreicht!

 

Wenn wir über die Biomechanik des Hundes sprechen, müssen wir drei Regionen berücksichtigen. Einerseits den Schultergürtel, der im Gegensatz zum Menschen eine muskuläre Verbindung an den Rumpf aufweist. Anderseits den Beckengürtel, der an die Lendenwirbelsäule angeflanscht ist und drittens die Anatomie der Wirbelsäule, die je nach Region eine unterschiedliche Bewegung der Wirbelkörper aufweist, und somit für die ganze Beweglichkeit des Hundes verantwortlich ist. Werden diese anatomischen Barrieren der Wirbelsäule nicht respektiert, können Erkrankungen entstehen, die vor allem im mittleren Alter und Alter des Hundes zur klinischen Manifestation führen können. Allen voran sei an dieser Stelle auf die Spondylose hingewiesen!

 

 

Nun zu einem praktischen Beispiel
über die Biomechanik des Hundes

 

 

 

Der Hund auf dem Video zeigt seit einiger Zeit ein orthopädisches Problem und wurde dies bezüglich bereits untersucht und behandelt. Im Gangbild zeigt der Hund ein deutlich verändertes Bewegungsmuster; die Hinterhand ist nach rechts verlagert, in der Sitzposition ist die Stellung der Knie unterschiedlich und die linke Schultergliedmasse zeigt eine veränderte Position nach aussen. Auf Grund der orthopädischen Erkrankung und der Schmerzen ist der Appetit deutlich vermindert und die Therapie mit Kortison führte zusätzlich zu einer Verminderung der Muskulatur! Einen Monat, nach zwei orthopädischen Behandlungen, ist das Bewegungsmuster des Rückens praktisch gerade, die Stellung der Knie im Sitz ist soweit normal, einzig die Schultergliedmasse links geht noch leicht in eine Aussenstellung. In fünf Wochen hat sie kompensatorisch vier Kilo zugenommen.

 

Die Wirbelsäule weist zwei unterschiedliche Regionen bezüglich Beweglichkeit aus. Einerseits die Halswirbelsäule mit einer sehr grossen Beweglichkeit, da in dieser Region die Facettengelenke (Wirbelgelenke) in einer 45 Grad Richtung angelegt sind. Der Übergang der hinteren Halswirbelsäule mit der anschliessenden Brustwirbelsäule, die Öffnung in den Brustraum, ist anatomische sehr wichtig, da an die sekundäre Biegung der Hals- und Brustwirbelsäule der Schultergürtel muskulär verbunden ist und damit eine wichtige Aufgabe in der Orthostatik (Haltung und Stabilität) aufweist. Durch diese Tatsache wird verständlich, dass vor allem Schutzhunde, einerseits an Erkrankungen der Halswirbelsäule, aber andererseits auch an Schulterproblemen leiden. Gerade beim Schutzdienst-Hund müssen Schulterprobleme immer im Zusammenhang mit der Halswirbelsäule untersucht sowie behandelt werden.

 

 

Bsp. Hyperflexion der Halswirbelsäule

 

 

Die andere Region ist die Lendenwirbelsäule. Dieser Bereich ist durch den Umstand gekennzeichnet, dass die Wirbelgelenke senkrecht verlaufen, und damit eine klare Einschränkung der seitlichen Beweglichkeit aufweisen. Wenn man aber Hunde im Agility-Parcours beobachtet, fällt eine extreme seitliche Biegung des ganzen Körpers inklusive der Lendenwirbelsäule auf. Schnellsportarten wie unter anderem Agility oder Flyball beanspruchen diese Region der Lendenwirbelsäule sehr stark. Durch schnelle Wendungen, abzufedernde Sprünge oder schnelle „Stopp and goes“ ist diese Region einerseits verletzungsanfällig, anderseits aber auch durch degenerative Veränderungen der Wirbelkörper und Gelenke gekennzeichnet! Grundsätzlich wird die Lendenwirbelsäule durch die hohe Überbeweglichkeitsanforderung, extremer mechanischer Beanspruchung ausgesetzt.

 

 

Abbildungen: Wirbelsäule des Hundes

 

 

 

 

 

 

Die Region der Brustwirbelsäule übernimmt die Sandwichposition! Einerseits ist sie ein Schutzkäfig für die Organe Herz und Lunge, anderseits aber auch noch für Leber und Magen. Dem Umstand zu Folge, müsste der Rippenkasten extrem stabil und kräftig sein. Dies ist aber nur bedingt der Fall. Der Grund dafür sind die Rippengelenke welche neben den Wirbelgelenken anfallen. Diese sind sehr sensibel auf Druck und Zugkräfte. Die intercostale (zwischen den Rippen) Muskulatur mag den knöchernen Käfig nur minimal schützen. Jeder der schon eine Rippe gequetscht oder gebrochen hatte, weiss wie schmerzhaft dies ist. Zusätzlich laufen an jeder Rippe Nervenfasern entlang, die bei stumpfen Traumen (Crash und Body checks) sehr sensibel und ebenfalls entzündlich reagieren. Die Folgen sind Schmerzen die dazu führen dass sich der Hund eher lustlos verhält und die Ruhe vorzieht.

 

Der Schultergürtel fällt nebst den Junghunderkrankungen wie Ellenbogendysplasie (FCP) und Osteochondrosen (OCD), vor allem durch Probleme im Schultergelenk und Vorderfusswurzelgelenk (Hand- oder Carpalgelenk) auf. Erkrankungen der Schulter sind zum grössten Teil auf stumpfe Traumata (Unfall) zurück zu führen, oder eben auf eine veränderte Biomechanik, die über eine längere Zeit anhaltende Über- und/oder Fehlbelastung gekennzeichnet ist. Folgen daraus sind Bizepssehnenerkrankungen, Entzündungen im Schultergelenk, Impingement der Bizepssehne, Ruptur der Sehnen, Erkrankungen der Muskulatur, als Beispiel die Kontraktur des Infraspinatusmuskels beim Jagdhund, oder eine „Frozen Shoulder“! Da die Frozen Shoulder veterniärmedizinisch nicht beschrieben ist, heisst dies noch lange nicht dass diese Problematik nicht existiert.

 

Frei übersetzt bedeutet Frozen Shoulder einfach Schultersteifheit. Ursächlich können wiederum stumpfe Traumata diese hervorrufen. Oder sie sind Folge einer veränderten Biomechanik, weil der Hund die Schultergliedmasse verändert belastet und bewegt und es daraufhin zu einer Immobilisierung der Schultergelenkskapsel führt. Neben der veränderten Beweglichkeit ist der Schmerz ein wichtiges Indiz und lässt diese Hunde ein stark verändertes Bewegungsmuster zeigen!
Erkrankungen im Vorderfusswurzelgelenk sind ebenfalls durch stumpfe Traumata hervor gerufen. Zum Beispiel während dem Rennen auf einem Feld in ein Loch getreten wodurch das Vorderfusswurzelgelenk überdehnt wird. Oder sie sind Folgen von Überlastungen, einerseits durch die Entlastung der Hinterhand oder Rücken, anderseits durch Entlastungen der kontralateralen Schultergliedmasse! Somit entstehen Entzündungen im Gelenk, mit Anfüllung des Gelenkssackes (Bursitis), anderseits Entzündungen des os carpi accessoriums (Erbsenbein), Entzündungen und Verletzungen der Bänder im Carpalgelenk. Als letzter Punkt ist die mechanische Einschränkung der einzelnen Gelenkskompartimente im Carpalgelenk erwähnt. Die Ursache kann wiederum ebenfalls durch stumpfe Traumata oder durch Fehl- und Überlastung zu Stande kommen!

 

 

 

 

 

Als besonderer Fall ist die Dogge zu erwähnen!

Wie sie im Bild ersehen können, zeigt die rechte Pfote eine Achsenabweichung im Carpalgelenk und in den Zehen. Die Ursache ist ein stumpfes Trauma ausgelöst durch Rennen auf dem Feld. Radiologisch ist die Achsenabweichung sichtbar. Man nennt dies eine chondrodystrophische Missbildung! Durch gezielten Leinenzwang und eine stützende Immobilisierung kann ein Teil dieser Missbildung korrigiert werden, in diesem Mass, dass der Hund nur minimale Einschränkungen für das Leben hat.

 

 

 

 

 

Letztes Beispiel

Als letztes Beispiel für eine veränderte Biomechanik sehen wir das Gangbild eines veränderten Schultergürtels auf Grund von Wachstumsstörungen im Röhrenknochen von Elle und Speiche! Es ist möglich, durch die veränderte Stellung im Ellenbogen- und Carpalgelenk, durch die veränderte Form, die Funktion derart verändert ist, dass eine der möglichen Spätfolgen die Arthrose sein kann. Als mögliche Prävention ist die Stützung dieser Knochen- und Gelenkstrukturen. Das Bewegungsmuster mit der Stützung, nach der orthopädischen Mobilisierung sieht gleichmässiger und beweglicher aus!

 

 

 

 

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